Neue Wege für Europas Agrarpolitik – Fair, grün und leistungsorientiert

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP): Gründung zur Marktstützung bis zum Wandel zur nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raums.

Die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union (GAP) steht vor einem epochalen Wandel. Reformen für die Zeit nach 2020 bringen nicht nur frischen Wind, sondern verfolgen neue strategische Ansätze. Die Zeiten, in denen EU-weite Richtlinien starr vorgeschrieben wurden, weichen einer flexibleren Herangehensweise. Mitgliedstaaten erhalten die Möglichkeit, ihre eigenen strategischen Pläne zu schmieden, die nicht nur ihre individuellen Bedürfnisse reflektieren, sondern auch im Einklang mit den übergeordneten Zielen der EU stehen. Dies eröffnet Raum für eine maßgeschneiderte, aber dennoch koordinierte Herangehensweise auf nationaler Ebene. 

Die Geburtsstunde der europäischen Agrarpolitik im Kontext der EWG-Verträge von 1957

Die Geschichte der Landwirtschaft webt ein faszinierendes Netz aus Veränderungen und Anpassungen, das die Menschheit über die Jahrhunderte hinweg begleitet hat. Der Ursprung dieses epischen Narrativs liegt in den Römischen Verträgen von 1957, einem Meilenstein, der die Entwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union einläutete. In diesen Verträgen verankerten die sechs Gründerstaaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft ihre ambitionierten Ziele für eine europäische Agrarpolitik. Die Triebkraft dahinter war ebenso kraftvoll wie nobel: die Sicherstellung einer ausreichenden Nahrungsmittelversorgung zu fairen Preisen. Gleichzeitig sollte die Produktivität gefördert und eine angemessene Lebenshaltung für die bäuerliche Bevölkerung gewährleistet werden. Diese Hintergrundidee spiegelte den Optimismus einer Nachkriegsgeneration wider, die entschlossen war, die Landwirtschaft als Eckpfeiler der Gesellschaft zu stärken. Von diesen bescheidenen Anfängen aus sollte die GAP ihre Wurzeln tief in den Boden schlagen, um den Boden Europas mit einem Netzwerk aus Richtlinien und Prinzipien durchzuziehen, das bis heute die Agrarlandschaft formt.

EU Gemeinsame Agrarpolitik (1962): Einheit des Marktes, Gemeinschaftspräferenz und finanzielle Solidarität

Die konkrete Ausformung erhielt die GAP im Jahr 1962 mit der Einführung der Marktorganisation für Getreide. Dieses Regelwerk basierte auf den Prinzipien der Einheit des Marktes, Gemeinschaftspräferenz und finanziellen Solidarität. Ziel war es, ein bestimmtes Erzeugerpreisniveau zu sichern und somit die Einkommen in der Landwirtschaft zu stabilisieren.

Die Herausforderungen und der Wandel in den 60er-80er Jahren: Überschüsse und Produktionsbegrenzungen

Trotz der zunächst erfolgreichen Marktorganisation konnte die GAP den tiefgreifenden Strukturwandel in der Landwirtschaft nicht verhindern. In Deutschland verringerte sich die Zahl der Betriebe seit den 60er-Jahren um 80 Prozent, während die verbleibenden Betriebe größer und produktiver wurden. Die EU sah sich mit Überschüssen konfrontiert, die durch Produktionsbegrenzungen und Marktinterventionen nicht nachhaltig gelöst werden konnten.

Wende in den 90er-Jahren: von Markt- und Preisstützung zu Direktzahlungen und Umweltkonditionierung

Die Agrarreform von 1992, auch bekannt als MacSharry-Reform, markierte einen Wendepunkt. Stützpreise wurden gekürzt, Ackerflächen stillgelegt, und Landwirte erhielten erstmals Direktzahlungen. Die Agenda 2000 setzte diesen Kurs fort, senkte erneut Stützpreise, erhöhte aber die Direktzahlungen. Gleichzeitig fand eine freiwillige Umweltkonditionierung Einzug in die GAP.

Entkopplung und die Grüne Architektur: Richtung nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raums (2003–2021)

Die Agrarreform von 2003 entkoppelte Direktzahlungen von der Produktion, eröffnete damit unternehmerische Freiräume und trug zur Wettbewerbsverzerrung im internationalen Handel bei. Reformen setzten sich mit dem Health Check 2008 und der Agrarreform von 2014 fort. Dabei wurden Umwelt- und Klimaaspekte verstärkt integriert, und das sogenannte „Greening“ wurde eingeführt, um Landwirte zu weiteren Umweltleistungen zu verpflichten.

Gerechter, grüner und ergebnisorientierter: Umwelt im Fokus der neuen GAP

Inmitten wachsender Besorgnis über den Klimawandel und ökologische Herausforderungen steht die neue GAP als Vorreiter für eine nachhaltigere Landwirtschaft. Umweltanforderungen nehmen einen besonderen Stellenwert ein, und die Auszahlung von Mitteln hängt nun maßgeblich von der Einhaltung strenger EU-Umwelt- und Klimavorschriften ab. Doch nicht nur das – die Reform führt auch neue Belohnungen für umweltfreundliche Praktiken ein. Unter dem Dach der Direktzahlungen werden „Öko-Regelungen“ eingeführt, eine innovative Form der Unterstützung für grüne Maßnahmen. Diese Regelungen werden auch im Rahmen der Entwicklung des ländlichen Raums verstärkt, um landwirtschaftliche Praktiken zu fördern, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen. Für die Periode von 2021 bis 2027 stehen der GAP insgesamt 387 Mrd. Euro zur Verfügung. Zentrale Elemente der Reform sind ein neues Umsetzungsmodell und die verstärkte Integration von Umwelt- und Klimaaspekten. Die GAP zielt darauf ab, die Erzeuger und ländlichen Regionen bei der Bewältigung ihrer Herausforderungen zu unterstützen, von rentabler Nahrungsmittelerzeugung bis zu einer ausgewogenen räumlichen Entwicklung.

Zukunftsweisende Verpflichtungen und Anreize für Landwirte

Die neue GAP geht über Umweltaspekte hinaus und setzt auch klare Verpflichtungen und Anreize für Landwirte. Der Schutz kohlenstoffreicher Böden durch den Erhalt von Feuchtgebieten und Torflandschaften steht dabei genauso im Fokus wie die Integration von Öko-Regelungen in nationale Pläne. Hierbei sollen Landwirte unterstützt und incentiviert werden, klima- und umweltfreundliche Praktiken zu übernehmen, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen. Ein bedeutender Schritt ist die Vorgabe, dass Mitgliedstaaten 25 Prozent ihrer Direktzahlungen für diese wegweisenden Regelungen einsetzen müssen.

Fairness und Zukunftssicherung: Direktzahlungen für Kleinbetriebe und junge Landwirte

Neben ökologischen Schwerpunkten strebt die neue GAP auch soziale Gerechtigkeit an. Kleine landwirtschaftliche Betriebe und junge Landwirtinnen und Landwirte sollen Priorität bei den Direktzahlungen genießen. Diese klare Verpflichtung zur Unterstützung derjenigen, die die Zukunft der Landwirtschaft gestalten werden, markiert einen bedeutenden Schritt hin zu einer gerechteren Verteilung der Ressourcen.

Von den Anfängen der GAP bis zur nachhaltigen Zukunft der Landwirtschaft – Verpflichtung zum Schutz der Arbeitnehmerrechte

Die Geschichte der Gemeinsamen Agrarpolitik spiegelt den Wandel und die Anpassungsfähigkeit in der europäischen Landwirtschaft wider. Von den Anfängen der Marktorganisation bis zur aktuellen Ausrichtung auf nachhaltige Entwicklung sind die Herausforderungen und Reformen vielfältig. Als bahnbrechende Neuerung findet erstmals eine klare Verpflichtung zum Schutz der Arbeitnehmerrechte in der GAP Platz. Dies unterstreicht nicht nur das Bestreben, die Landwirtschaft nachhaltiger zu gestalten, sondern zeigt auch das Bekenntnis zu ethischen Grundsätzen und fairer Behandlung aller, die im Agrarsektor tätig sind.

Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU will nicht nur fairer, grüner und leistungsorientierter werden, sondern auch die Vielfalt und Individualität der europäischen Landwirtschaft respektieren. Die GAP bleibt ein dynamisches Instrument, um die Landwirtschaft in Europa nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch und sozial nachhaltig zu gestalten.

Autor: Jörg Trübl, Umweltingenieur und CEO MABEWO

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MABEWO steht für Nachhaltigkeit. „Make a better world“ investiert in die Zukunft und entwickelt innovative Technologien, um die größten Herausforderungen unserer Zeit zu lösen: Klimaschutz, Energiewende, Ressourcenschonung und Lebensmittelversorgung. Herr Jörg Trübl ist ausgebildeter Umweltingenieur und verfügt über 20 Jahre praktische wirtschaftliche Erfahrung in der Unternehmensführung als Berater, Coach und CEO von KMUs in Europa. Weitere Informationen unter: https://www.mabewo.com/

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